Brigitte Schweiz 20/1999

GEGEN SCHMERZ UND ANGST

BIOFEEDBACK IST KEINE NEUE THERAPIE, ABER VIEL ZU WENIG BEKANNT. VIELEN HAT SIE GEHOLFEN, WENN ALLE ANDEREN BEHANDLUNGEN KEINE BESSERUNG GEBRACHT HATTEN

 

der junge Geschäftsmann Bainer H. litt seit Jahren an starken Rückenschmerzen. Stehen und Sitzen machten ihm gleichermassen Mühe und mit der Zeit wurde er arbeitsunfähig. Eine

Psychotherapie konnte ihm ebenso wenig helfen wie die Behandlungen bei den besten Rückenspezialisten in Amerika und Europa. Bis er sich auf das Biofeedback einliess. Nach

einigen Wochen intensiver Behandlung fühlt er sich heute wie neu geboren. Caroline M. litt seit Jahren an starker Migräne mit Atemnot, Herzrasen, Schwindel und Schüttelfrost. Mit der Zeit kamen

Allergien, Ängste und Panikattacken hinzu, sie konnte nicht mehr essen, magerte ab und dachte an Selbstmord. Dann machte ein Arzt des Universitätsspitals sie auf die Therapie aufmerksam. Wir wollten vom Spezialisten Arnold Bergdorf wissen, was es mit dem Biofeedback auf sich hat.

 

Was ist Biofeedback?

Biofeedback bedeutet Messen, Rückmelden, Beeinflussen und Steuern von Körperfunktionen (z.B.: Atmung, Muskelaktivität, Puls, Temperatur, Hautwiderstand, Hirnwellen). Das von mir bevorzugte Atemfeedback (Re-spiratorisches Feedback RFB) wurde in den 60er-Jahren vom Nervenarzt und Psychotherapeuten Prof. Hanscarl Leuner an der Universität Göttingen entwickelt. Es basiert auf dem Zusammenhang von Atem und Entspannung und bewährt sich bei vielen körperlichen Leiden, die durch Dis –Stress ausgelöst werden. Es wird heute von neusten wissen-schaftlichen   Computersystemen unterstützt.

 

Was passiert während der Behandlung?

Mit einem Sensor wird die Bauchatmung abgetastet und als angenehmes Licht- und Tonsignal (z.B. Meeresrauschen) dem Patienten rückgemeldet. Dieser gibt sich mit geschlossenen Augen und völlig passiv den Signalen hin, ganz nach der Formel des Autogenen Trainings (AT): „Es atmet mich“. Später kommt ein individueller Text hinzu. Ziel ist eine physische und psychische Entspannung.

 

Eine Art Turbo-Autogenes Training?

Es ist tatsächlich eine sehr intensive Behandlung, und erste Erfolge treten bereits nach rund fünf Sitzungen ein. Die Behandlungsdauer beträgt rund 15 Sitzungen à 1 1/2 Std. Dazu gehören natürlich auch thera-peutische Gespräche.

 

Wem hilft die Therapie?

Jeder muss sich selbst helfen, das sage ich jedem Patienten. Versprechen kann ich nichts. Die eine Gruppe, die jedoch sehr gut auf Biofeedback anspricht, sind Schmerzpatienten mit Rücken-, Kopf-, chronischen Schmerzen oder Monatsbeschwerden, Migräne, Tinnitus sowie Krebspatienten, die ich damit auf Operationen oder Chemotherapie vorbereite. Zuranderen Gruppe gehören

Angstpatienten, die unter Sympto-men wie Prüfungs-, Platzangst oder Depressionen leiden. In der dritten Gruppen finden sich Leute mit vegetativen Störungen des Magen-Darmtrakts, Schlafstörungen, Suchtproblemen sowie Bulimie.

 

Bezahlen die Krankenkassen?

Die meisten Krankenkassen bezahlen aus der Zusatzversicherung.